ADFC Hessen: Nachrichten

26.4.2016

Mit dem Rad zur Arbeit - Auftaktveranstaltung in Frankfurt

Vom Wert des Radverkehrs

Seit 12 Jahren gibt es bereits die vom ADFC initiierte und mit der AOK gemeinsam veranstaltete Aktion Mit dem Rad zur Arbeit. Zum Auftakt der 2016 erstmals vier statt drei Monate dauernden Aktion lud die AOK Hessen Rad-Interessierte zu einer spannenden Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in ihren Frankfurter Verwaltungsstandort ein.

Dr. Michael Karner, Stefan JankeVon links: Dr. Michael Karner (AOK Hessen), Stefan Janke (ADFC Hessen)

Das Fahrrad liegt im Trend. Und dass es nicht bloß irgendein Fortbewegungsmittel ist, sondern das effizienteste unter allen denkbaren Fahrzeugen, hob Dr. Michael Karner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Hessen, gleich bei der Begrüßung der Gäste hervor: "Mit dem Fahrrad können wir uns sogar effizienter fortbewegen als jedes Tier - als Biologe weiß ich, dass es der Mensch nicht oft schafft, die Natur zu schlagen."

Stefan Janke arbeitet mit dem ADFC Hessen, dessen Vorsitzender er ist, intensiv daran, dass sich diese Erkenntnis auch in einem hohen Radverkehrsanteil niederschlägt. Er erläuterte, wie sich die Aktion Mit dem Rad zur Arbeit vor 12 Jahren von Skandinavien über den ADFC Bayern bis nach Hessen ausgedehnt hat, wo Jahr für Jahr rund 10.000 Arbeitnehmer und Studenten an der Aktion teilnehmen. Die Gründe, das Rad für den Arbeitsweg zu nutzen, liegen für Janke klar auf der Hand: "Frei von Stau und Parkplatzsuche, frei von starren Fahrplänen und großem Gedränge ist Radfahren schnell und praktisch, erfrischt Körper und Geist und kann auf Dauer süchtig machen."

Um derartige "Suchtgefahren" ging es Juliane Kemen, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Frankfurter Goethe-Universität, allerdings weniger, als sie den Gesundheitszustand von gelegentlich und kontinuierlich radelnden Mitarbeitern mit dem von Auto fahrenden Angestellten verglich. Sie untersuchte dabei den Body Mass Index und Fehlzeiten im Betrieb. Ihr statistisch belegter Befund: Wer regelmäßig und viel radelt, ist fitter und fehlt weniger bei der Arbeit.

Stefan Burger, Referent für Nahmobilität im Hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium, schilderte, wie der Ruhrschnellweg, als er einmal für den Autoverkehr gesperrt war, Auslöser der Idee für Radschnellwege in Deutschland wurde. Die Vielzahl der Radelnden machte augenscheinlich klar, dass eine bessere Radverkehrsinfrastruktur auch zu mehr Radverkehr führen würde. Dabei gibt es keine Verkehrsinfrastruktur, die so kosteneffizient ist wie Radverkehrsanlagen, so Burger. Jeder Euro, der in den Radverkehr investiert wird, verwandele sich in ein Vielfaches an wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Nutzen. Die im März gegründete AG Nahmobilität Hessen will aber nicht nur die Entwicklung von Radschnellwegen fördern, auch um unzählige kleine Verbesserungen gehe es, so Burger.

Der Radverkehr müsste eigentlich teurer sein

Doch die von Burger gelobte Kosteneffizienz könnte paradoxerweise die Ursache dafür sein, dass es mit der Entwicklung der Radverkehrsinfrastruktur so langsam vorangeht, lautet der Verdacht von Georgios Kontos, Radverkehrsbeauftragter beim Regionalverband FrankfurtRheinMain. Warum sind hunderte von Millionen Euro für vergleichsweise kleine Abschnitte von Autobahnen und S-Bahn-Linien offenbar kein Problem, während Investitionen für den Radverkehr oft an kleinen Summen scheitern? "Eigentlich müssten wir den Radverkehr viel teurer machen", so die provokante These Kontos'. Dahinter verbirgt sich die Überlegung, dass es für Unternehmen lukrativ sein müsse, in diesem Segment stärker aktiv zu sein. Als Beispiel nannte Kontos die begrenzte Förderung von Fahrradabstellanlagen durch das Land - eine Heraufsetzung der Fördergrenze könnte dazu führen, dass mehr hochwertige Abstellanlagen entstehen. In seinem Beitrag berichtete Kontos über die planerischen Herausforderungen, aus dem jungen Gewerbegebiet Gateway Gardens in Frankfurt einen radverkehrsfreundlichen Standort zu gestalten.

Auch Randolf Kämpfer von der Messe Frankfurt kennt die Herausforderungen, die auf dem Weg zu einem fahrradfreundlichen Unternehmen zu meistern sind, aus eigener Erfahrung. Die Messe Frankfurt strebt an, ein bike + business-Partnerunternehmen zu werden und sich als fahrradfreundlicher Betrieb zertifizieren zu lassen. Auf dem Weg dorthin gilt es ganz praktische Hürden zu nehmen: "Mitarbeiter, die leicht schwitzen, bekommt man nicht aufs Rad, wenn es keine Möglichkeit zum Duschen gibt", begründete Kämpfer die Notwendigkeit, im Sinn von bike + business in solche Infrastruktur zu investieren. Bestehende Infrastruktur kann aber auch ein Hemmnis für die Erhöhung des Radverkehrsanteils sein: Dann nämlich, wenn ein Unternehmen über so viele Mitarbeiter-Autoparkplätze verfügt, dass hierdurch kein Anreiz entsteht, auf die PKW-Fahrt zu verzichten und stattdessen das Rad zu benutzen.

Die anschließende von Riyad Salhi, Pressesprecher der AOK Hessen, moderierte Diskussion vertiefte noch einmal eine Reihe der vorgestellten Thesen und Argumente - von der Konkurrenz der verschiedenen Verkehrsmittel um die vorhandenen Flächen in unseren Städten bis hin zum intermodalen Zusammenspiel des Radverkehrs mit dem ÖPNV und der Förderung von Fahrradabstellanlagen für Pendler. Der inhaltlich sehr anspruchsvollen und abwechslungsreichen Veranstaltung wären noch mehr Gäste zu wünschen gewesen.

Weitere Fotos von der Auftaktveranstaltung Mit dem Rad zur Arbeit am 25. April in Frankfurt am Main finden Sie auf unserer flickr-Seite

Zur Aktionsseite Mit dem Rad zur Arbeit.


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