ADFC Hessen: Nachrichten

20.05.2015

6. bike + business Kongress

Attraktive Rad-Infrastruktur als Standortfaktor

Im Rahmen des 6. bike + business-Kongresses in Frankfurt am Main hat der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir den bike + business-Award verliehen. Preisträger ist das Unternehmen DER Touristik für den Ausbau der fahrradfreundlichen Infrastruktur an seinem Firmenstandort im Frankfurter Mertonviertel. bike + business fördert durch gezielte Beratungsleistungen das Rad in der beruflichen Mobilität und wird getragen vom ADFC Hessen, dem Regionalverband FrankfurtRheinMain und dem Zweckverband Kassel.

Von links: Martin Randelhoff (blog Zukunft Mobilität), Velibor Marjanovic (Direktor Nachhaltigkeit, KfW Bankengruppe), Frank Böhme (DER Touristik), Staatsminister Tarek Al-Wazir, Stefan Majer (Verkehrsdezernent Frankfurt/M) und Thomas Reichert (IHK Frankfurt).

Gastgeber des 6. bike + business Kongresses war der Vorjahres-Preisträger, die KfW Bankengruppe in Frankfurt. Dr. Velibor Marjanovic, Direktor Nachhaltigkeit, begrüßte die rund 70 Gäste und unterstrich den hohen Stellenwert, den Nachhaltigkeit als Unternehmensleitbild bei der KfW einnimmt.

Tempo 30-Straßen sollen einfacher möglich sein

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir betonte die Wichtigkeit der Nahmobilität, zu der vor allem der Rad- und der Fußgängerverkehr zählt, für sein Ressort. Dass die Zeichen für diese Verkehrsarten heute deutlich günstiger stünden als noch vor wenigen Jahren machte Al-Wazir fest am einstimmigen Beschluss der Verkehrsministerkonferenz zugunsten einer größeren Entscheidungsfreiheit von Kommunen, die mehr Tempo 30-Straßen einrichten wollen: "Das wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen", so der Minister. Auch der Siegeszug der Pedelecs gehe mit dem Aufschwung der Nahmobilität Hand in Hand. Ohne Subventionen haben die Elektrofahrräder längst Absatzzahlen erreicht, von denen die Anbieter von Elektroautos nur träumen könnten.

Auch eine gut entwickelte Infrastruktur bei den Arbeitgebern spielt der Nahmobilität in die Karten. Solch ein Arbeitgeber ist das bike + business Unternehmen DER Touristik, das mit exzellenten Abstellplätzen für Räder sowie Dusch- und Umkleidemöglichkeiten den Mitarbeitern das Radeln zum Arbeitsplatz so einfach wie möglich macht. Als Lohn dieses Engagement durfte Frank Böhme von DER Touristik den bike + business-Award aus den Händen Al-Wazirs in Empfang nehmen. Mit dem Preis verbunden ist ein modernes Faltrad, das TERN Link D8, das zusammengelegt jederzeit im Öffentlichen Personennahverkehr mitgenommen werden kann.

Fahrradwegweisung für Frankfurt

Dem Frankfurter Verkehrsdezernenten Stefan Majer ist ebenfalls klar, dass gute Abstellmöglichkeiten ein wichtiger Faktor für die berufliche Fahrradmobilität sind. Eine veränderte Stellplatzordnung könnte hierfür hilfreich sein, meinte der Grünen-Politiker und deutete an, dass die Stadt Frankfurt auf diesem Feld tätig werden könnte. Auf jeden Fall tätig werden will die Stadt bei der Fahrradwegweisung im Stadtgebiet. Bereits im Jahr 2015 soll im Frankfurter Westen, konkret: im Stadtteil Höchst, mit der Beschilderung begonnen werden. Das übrige Stadtgebiet soll dann bald folgen. Durch den starken Zuzug vieler Menschen nach Frankfurt gestaltet sich das Problem laut Majer immer drängender: "Wir können eben nicht mehr davon ausgehen, dass alle Frankfurter seit vielen Jahren hier leben und sowieso den Weg kennen."

Thomas Reichert, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main legte ein bemerkenswert offensives und klares Bekenntnis zum Fahrrad ab: "Die Unternehmen in Frankfurt sind offen für eine bessere Radverkehrsinfrastruktur, viele Menschen denken um und sehen das Rad als vollwertiges urbanes Verkehrsmittel", so Reichert

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Ausbau des Bike-Sharings

Frank Breyer, Leiter Fahrradvermietung DB Rent - Call A Bike, kündigte den kräftigen Ausbau des Bike-Sharing-Angebots in Frankfurt an. So sollen die derzeit 140 Stationen auf künftig 350 Stationen ausgebaut werden. Dabei könne die Zahl der gegenwärtig rund 2.500 Mieträder verdoppelt werden. Das Tarifsystem und der Ausleihprozess sollen einfacher, die technische Ausstattung der Räder besser werden, kündigte Breyer an. Trotz 700.000 Kunden bundesweit und einer jährlichen Fahrleistung von rund 10.000 Kilometern pro Rad ist das Bike-Sharing ein Zuschussgeschäft: Ohne Sponsoren und Werbeeinnahmen geht es daher nicht. So will man auch im Marketing neue Wege gehen und sich als "Call A Bike" nutzerfreundlich mit Internet-Portalen vernetzen.

Für Martin Randelhoff, preisgekrönter Betreiber des blogs Zukunft Mobilität, ist eine attraktive und leistungsfähig Fahrradinfrastruktur ein entscheidender Standortfaktor von Metropolen im Wettstreit um gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte. Die Lebensqualität steche hohe Boni aus, so Randelhoffs These. Überhaupt sei der am meisten unterschätzte volkswirtschaftliche Effekt des Radfahrens der gesundheitliche: Während jeder Autokilometer gesundheitsbezogene Kosten von etwas unter einem Euro verursache, generiere jeder Fahrradkilometer einen Nutzen von über drei Euro: Wenn man diese vier Euro Differenz vor Augen hat, erscheinen Investitionen in die Radverkehrsinfrastruktur ganz schnell lohnenswert, meint Randelhoff.

Jürgen Schultheis vom Home of Logistics an Mobility führte als Moderator souverän durch Programm und Diskussion des sehr informativen und abwechslungsreichen 6. bike + business-Kongresses.


Weitere Informationen zum bike + business-Award finden Sie in dieser Pressemitteilung.


Fotos von allen Referenten und viele Impressionen vom Kongress finden Sie auf unserer flickr-Seite.


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